Hast du schonmal versucht mit Musik deine Konzentration beim Lernen zu steigern? Vielleicht ist dir aufgefallen, dass du damit eher das Gegenteil erreichst. In diesem Beitrag erklären wir dir, warum Musik die Konzentrationsfähigkeit reduziert und du lieber auf Musik verzichten solltest.

 

Warum Musik deine Konzentration stört

 

Hast du schonmal vom Kurzzeitgedächtnis gehört? Allgemein angenommen wird häufig, dass das Kurzzeitgedächtnis der „Speicher“ im Gehirn ist, bei dem gelernte Informationen für kurze Zeit gespeichert werden.

Wenn du z.B. Vokabeln mit Hilfe von Karteikarten lernst und dir das englische Wort „long-term memory“ begegnet, kannst du dir sicher für einige Sekunden oder Minuten merken, dass dieses Wort auf deutsch „Langzeitgedächtnis“ heißt. Versuchst du es, ohne das Wort in einer Wiederholung geübt zu haben, zwei Stunden später, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit vergessen haben, was es bedeutet. Jedoch lässt sich für die Dauer der Erinnerung aus dem Kurzzeitgedächtnis keine genaue zeitliche Grenze angeben. Das Kurzzeitgedächtnis ist maßgeblich an deiner Konzentration beteiligt.

In der neueren Forschung wird statt des Kurzzeitgedächtnisses meist der Begriff „Arbeitsgedächtnis“ verwendet. Bei diesem Konzept, ist die Dauer der Erinnerung nicht mehr so wichtig ist.

 

Warum ist es überhaupt sinnvoll zwischen Arbeitsgedächtnis und Langzeitgedächtnis zu unterscheiden?

 

Da wir für einen optimalen Lernerfolg unser Wissen im Langzeitgedächtnis abspeichern wollen, ist es wichtig zu wissen, wie das Arbeitsgedächtnis funktioniert. Außerdem sollten wir wissen, wodurch unsere Konzentration gestört wird und wie wir Informationen aus unserem Arbeitsgedächtnis in das Langzeitgedächtnis bekommen.

 

Der Aufbau des Arbeitsgedächtnisses

 

Allgemein wissenschaftlich anerkannt ist das Arbeitsgedächtnismodell von Alan Baddeley. Das Modell ist inzwischen mit zahlreichen Studien erforscht.

Baddeley unterscheidet drei Komponenten:

 

  • Die zentrale Exekutive (ist für die Arbeit des Arbeitsgedächtnisses zuständig)
  • Die phonologische Schleife (übernimmt die kurzfristige Speicherung von Informationen aus sprachlichem Material)
  • Den visuell-räumlichen Notizblock (übernimmt die kurzfristige Speicherung von Informationen, die über das Sehen aufgenommen wurden)

Um die Frage zu beantworten, warum Musik die Konzentration beim Lernen stört, beschränken wir uns in diesem Artikel nur auf die phonologische Schleife. Wenn du dich tiefergehend für das Modell interessierst, findest du unten auf der Seite die Quellen zum Nachlesen.

 

Auch gelesene Texte landen im sprachlichen Speicher

Es wird angenommen, dass die phonologische Schleife  aus zwei Komponenten besteht. Einem phonoligschen Speicher und einem sog. Artikulationsprozess. Sprachliches Material kann für ca. 2 Sekunden im phonologischen Speicher gehalten werden. Wenn es innerhalb dieser Zeit nicht durch den Artikulationsprozess aufgefrischt wird, vergessen wir die Information.

Dabei handelt es sich auch bei gelesenen Texten um sprachliches Material, dass durch die phonologische Schleife bearbeitet wird. Das liegt daran, dass wir uns Texte mit unserer inneren Stimme selbst vorlesen. So werden die Buchstaben und Wörter als abstrakte Zeichen in Sprache umgewandelt.

 

Sprache stört die Aufmerksamkeit und die Konzentration

 

Bei der Erforschung der phonoligischen Schleife wurden diverse Effekte gefunden, die das Arbeitsgedächtnis und damit die Konzentration stören. So wurde herausgefunden, dass gesprochene Sprache die Kurzzeitgedächtnisspanne erheblich reduziert, also die Konzentrations- und Verarbeitungsfähigkeit neuer Informationen darunter leidet. Da es sich auch bei gesungenen Texten um Sprache handelt, hat Musik mit Gesang einen ähnlichen Effekt.

Einen Schritt weiter gehen Jones und seine Mitarbeiter. In einem Versuch haben sie herausgefunden, dass es nicht darauf ankommt, dass es sich um sprachliches Material handelt, sondern darauf, dass die Geräusche und damit auch die Musik wechselnde Töne enthalten.

Musik stört also die Verarbeitung von sprachlichem Material durch die phonologische Schleife und damit die Verarbeitung durch das Arbeitsgedächtnis. Das mindert die Konzentrationsfähigkeit erheblich.

Deshalb raten wir dazu, beim Lernen komplett auf Musik zu verzichten und dir eine ruhige Umgebung zu schaffen, damit du dich bestmöglich konzentrieren kannst.

 

 

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